Veröffentlicht in Freude, Liebe dich selbst

Vergissmeinnicht

Oder von der Kunst sich nicht nur am Leben zu erhalten

Immer mehr Menschen leiden unter Depressionen. Immer mehr Menschen bekommen einen Burnout. Woran liegt das?

Werden die Menschen immer schwächer oder sensibler? Sind wir alle Weicheier? Ganz im Gegenteil! Unsere Welt wird immer hektischer und verlangt immer mehr von uns ab. Wir werden so sehr in den Sog der gesellschaftlichen Norm gezogen, dass wir ganz vergessen zu leben und der ein oder andere vergisst sich ganz und gar selbst dabei.

Wir müssen so sein, so denken, so handeln und soviel schaffen und noch mehr erreichen. Wenn man sich mal ganz kurz ausruhen möchte, dann wird man als faul bezeichnet. „Man muss doch seine Zeit weise nutzen.“

 

forget_me_nots geschichte

Als ich mein Abi machte, hatte ich nicht nur viel für die Schule zu tun, sondern auch in meinem Privatleben. Ich hatte mehrere Jobs und war Lehrerin in der Kirche.

Dies alles unter einen Hut zu bekommen, war nicht leicht. Oft schlief ich 4-5 Stunden die Nacht, weil ich entweder so spät von der Arbeit kam oder noch etwas für die Schule zu erledigen hatte. Dann stand ich auch noch früher auf, weil ich irgendwelche Hausaufgaben machen musste. Am Wochenende ging ich samstags auch arbeiten und sonntags lehrte ich in der Kirche.

Das hat eine ganze Weile gut funktioniert bis ich auf einmal zusammengebrochen bin. Es hatte sich schon früher bemerkbar gemacht, dass ich nicht mehr lange so weitermachen kann, jedoch bekam ich diese Anzeichen gar nicht richtig mit, weil ich so beschäftigt war alles das zu schaffen, was ich mir vorgenommen hatte. Irgendwann war dann Schluss. Ich hatte keine Kraft mehr. Ich machte das nötigste für die Schule und zur Arbeit schleppte ich mich nur noch.

Mein Mutter half mir sehr in dieser Zeit. Sie half mir bei der Arbeit (bei einigen Jobs war das möglich), sie unterrichtete für mich in der Kirche, sie räumte sogar mein Zimmer auf. All das, während ich heulend und zitternd in der Badewanne saß, weil ich keine Kraft mehr hatte.

Keiner bekam es mit wie kaputt ich war. Nur meine Eltern und die Ärzte wussten davon. Eines Tages bedankte ich mich bei meiner Mutter, dass sie mein Zimmer aufgeräumt hatte, während ich arbeiten war. Eine ältere Dame stand neben uns und schaute mich sehr abwertend an. „Deine Mutter räumt noch dein Zimmer auf? Du bist ja eine verwöhnte, faule Göre“, sagte sie.

Diese Worte werde ich nie vergessen. Sie taten mehr weh als alles andere. Ich schämte mich. War es falsch, dass ich Hilfe angenommen hatte? War es falsch, dass ich nicht alles allein Tat? Bin ich wirklich so faul? Bin ich einfach nur zu schwach? Ich habe Jahre gebraucht, um zu lernen, dass ich nicht faul, verwöhnt oder selbstsüchtig bin, wenn ich mir die Zeit nehmen, die ich brauche, um wieder Energie und Kraft zu tanken.

Vergissmeinnicht Mensch

Wir müssen uns selbst um uns kümmern. Wir müssen lernen uns nicht nur am Leben zu erhalten, sondern wie man richtig lebt.

Wie sollen wir uns um andere kümmern, wenn wir selbst einen Wrack sind? Wie sollen wir die besten Leistungen bringen, wenn wir ausgebrannt sind? Wer schon einmal in solch einer Situation war, der weiß, es gibt nur einen Weg raus: Runter schalten und Selfcare üben.

Auch wenn du noch nie in solch einer Situation warst, bitte bitte bitte lass es nicht soweit kommen. Manche Menschen brauchen Jahre, um dort wieder herauszukommen.

forget_me_nots-selfcare

 

Was ist Selfcare? Das ist wieder so ein englisches Wort, das sich langsam ins Deutsche einschleicht. Jedoch hat es eine wichtige Bedeutung:

„Sich um sich selbst kümmern“

Wir alles müssen es lernen eine richtige Balance in unserem Leben zu finden. Wieviel Kraft, Zeit und Energie kann ich in meine Arbeit, Familie, Freunde, Hobbys und Co. stecken? Wieviel Zeit brauche ich für mich selbst? Was gibt mir Kraft und Energie?

Es ist wichtig, dass wir uns jeden Tag auch etwas Zeit nehmen, um unseren Geist und Körper die Ruhe und den Ausgleich zu geben, den er braucht. So halten wir uns gesund und im Gleichgewicht. Wenn ich zum Beispiel den ganzen Tag im Büro sitze, dann wird sich mein Körper riesig freuen, wenn ich mich körperlich betätige und raus gehe. Wenn ich den ganzen Tag lauten Geräuschen ausgesetzt bin und viel Stress habe, dann wird es mir guttun, wenn ich mir Ruhe gönne und vielleicht ein heißes Bad nehme.

Es ist nicht immer leicht, Zeit für sich zu finden. Ich kenne das. Obwohl ich im Moment nicht arbeiten gehe, habe ich als Mama einen Vollzeitjob und freue mich, wenn ich es schaffe mal ganz kurz meine Ruhe auf Klo zu haben. (Das klappt nicht immer!) Hier ist es wichtig, dass man sich die Zeit für sich richtig einplant. Mein Mann und ich besprechen, wenn wir unsere Planung machen auch, wann jeder von uns etwas Zeit für sich bekommt.

Hier ein paar Ideen, wie man Selfcare üben kann:

  • Nimm ein Bad
  • Schalte das Handy aus, wenn du nach Hause kommst
  • Geh spazieren
  • Sage „Nein“ – du musst nicht ALLES machen, um was dich andere bitten
  • Iss gesund und in nimm dir Zeit fürs Essen
  • Schlafe aus/ mach ein Mittagsschläfchen
  • Nimm dir Zeit für dein Hobby

 

Als kleine Hilfe habe ich einen Selfcare-Kalender vorbereitet.

Bild selfcare

Hier zum Ausdrucken. Hier zum Selbstausfüllen.

Bild selfcare sw

Hier der Kalender in schwarz-weiß.


Wie schaffst du es, im Gleichgewicht zu bleiben und dich um dich selbst zu kümmern? Was tut dir gut? Schreib mir doch einfach ein Kommentar. Über Feedback freue ich mich wie immer auch. Wenn dir meine Artikel gefallen, dann kannst du mir auch folgen und wirst gleich benachrichtigt, sobald ein neuer Artikel draußen ist.

8 Kommentare zu „Vergissmeinnicht

  1. cool della
    also ich habe es in den 52 jahren noch nicht geschafft täglich zeit für mich einzuplanen jedoch schaffe ich es 1 mal in der woche udn das ist für mich ok. nein sagen habe ich auch gelernt. wichtig ist ds man das was man tuen muss mit der richtigen einstellung tut dann ist es auch leichter. gerade wenn man mutter ist muss man die ersten sich viel zurücknehmen.

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  2. Ja, es ist wichtig etwas am Tag zu finden, was dir Freude oder Ruhe bringt. Früher war mir mein Mittagsschlaf heilig und das wussten die Kinder. Auch wenn es nur ein paar Minuten waren. Oder ich spiele Klavier, bastelte, nähte… etwas. Ich finde es wichtig, dass ich nicht nur sauber gemacht und aufgeräumt habe, was für mich nichts Produktives war. Das Kreative hat mich immer erfüllt und tut es immer noch. Ich habe dann unheimlich viel Freude an dem was ich Tolles kreiert habe.
    Es ist auch wichtig die Signale des Körper zu erkennen. Oft war ich Mittags müde und die Arbeit zog sich ewig und langsam hin. Dann habe ich lieber ein Paar Minuten geschlafen und danach ging die Arbeit doppelt so schnell.
    Eine Vollzeitmutter zu sein bedarf viel mehr Selbstdisziplin als wenn man irgendwo angestellt ist!
    Aber das formt uns und macht uns stark!

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  3. Wenn man viel um die Ohren hat, ist Selbstdisziplin wichtig. Ich war allein erziehende Mutter von 3 Kindern und habe es immer geschafft Zeit für mich zu finden (im Alltag). Dann habe ich meditiert. Das hat mir immer sehr geholfen.
    Und, das ließ mich immer jünger aussehen, als ich war 🙂
    Schön ist es – und das hatte ich damals auch – wenn man Unterstützung durch nahe Verwandte und/oder Freunde hat.
    Meine Mutter ging damals nicht mehr arbeiten und so hat sie die Kinder bei Krankheit übernommen, so dass ich weiter arbeiten konnte und meine Eltern und Geschwister nahmen, da wir Kinder im gleichen Alter hatten, meine Kinder auch mit in den Urlaub. Das fand ich schön für meine Racker.
    Für mich ist die Familie und deren Zusammenhalt das Wichtigste. Es ist richtig, die Hilfe anzunehmen, die man durch sie bekommt.

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  4. Toller Artikel Della!!!
    mir fällt es persönlich immer schwer nein zu sagen. Das möchte ich jetzt ändern und dein Artikel hat mir echt einen Anreiz dazu gegeben.
    Außerdem gebe ich auch zu, dass ich ziemlich träge und faul bin, wenn es darum geht, Zeit in mich zu investieren.
    Das möchte ich jetzt auch ändern. Ich bin echt auf deine nächsten Artikel gespannt, die gefallen mir sehr!
    Mach weiter so, du bist ein super Vorbild!!! 🙂

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