Veröffentlicht in Allgemein, Dienstags-Depression

Dienstags-Depression: Ich will nicht gerettet werden!

Wie oft haben wir in den letzten Jahren immer wieder Kritik an den Disneyprinzessinen gehört. Sie sind keine guten Vorbilder, besonders die älteren Filme, da sie einem einflößen, dass Frauen einen Prinzen brauchen um glücklich zu sein. Außerdem sind sie nur passiv und lassen sich retten, anstatt selbst ihr Schicksal in die Hände zu nehmen.

Leute, ich bin ein riesen Disneyfan! Ich liebe die alten und auch die neuen Filme. Mir kam es nie so vor, als bräuchte ich einen Prinzen oder müsse gerettet werden, wenn ich mir die Filme angeschaut habe. Vielmehr haben sie mir gezeigt, dass man das Gute in allem sehen kann, dass ein Lied immer hilft, die Laune aufzubessern, und dass das Gute immer siegt.

Doch warum rede ich jetzt von Prinzessinnen? Das ist den meisten von euch doch bestimmt total egal… .Naja, diese Kritik hat mich zum Nachdenken gebracht.

Als ich an diesem Post gearbeitet habe, kam mir passender Weise ein Video auf Youtube entgegen geflogen. In diesem Video geht es um unsere Fehlinterpretation von Cinderella und was es mit dem Gerettetwerden auf sich hat. Wer Englisch kann, sollte es sich auf jeden Fall mal anschauen.

Was ist so schlimm daran gerettet zu werden?

Vielleicht sollen wir nicht gerettet werden, weil das bedeuten würde wir wären schwach. Es ist schwach, wenn man etwas nicht selbst kann, wenn man sich nicht selbst befreien kann. Vielleicht denken auch viele, dass es bedeutet, dass derjenige nur rumsitzt und hofft, dass eines Tages jemand (ein Prinz) vorbeikommt, einem alles abnimmt und aus der Grube herauszieht.

Doch ist das wirklich so? Sind wir schwach, wenn wir uns selbst nicht helfen können?

Natürlich sollten wir immer versuchen uns selbst zu helfen und nicht darauf warten, dass es jemand anderes für uns tut. Doch würdest du einem Mann, der beim Bergsteigen in eine Schlucht gefallen ist und jetzt ein gebrochenes Bein hat, sagen er soll sich mal nicht so haben und sich nicht retten lassen, sondern sich selbst helfen? Ich glaube nicht!

Wir wollen alle stark und unabhängig sein , doch müssen wir aufpassen, dass der Stolz uns keine Lügen einflößt. Ich glaube, es ist der Stolz, der sagt, dass wir schwach sind, wenn wir gerettet werden, dass wir schwach sind, wenn wir Hilfe annehmen! Diese Glaubensmuster lassen viele denken, dass sie es nicht Wert sind, gerettet zu werden, da sie zu schwach und unwichtig sind.

Bitte, bitte lass dir das nie einreden! Es gibt niemanden, der es nicht wert sei, gerettet zu werden! 

Adobe Spark(10)

Besonders in den letzten Jahren war ich oft in der Situation, in der ich dachte, dass ich es nicht allein schaffe. Ich war fertig und ausgebrannt. Ich wollte aufgeben. Ich wollte auch mal faul sein, einfach warten und nichts tun! Ich hatte es sooooooo satt immer weiterzumachen und nie einen Lichtblick zu sehen. Ich wollte nicht mehr stark sein! Ich wollte einfach nur gerettet werden. Doch mir wurde immer wieder gesagt, dass das nicht gut sei. Es ist peinlich, wenn man sich retten lässt und schwach. Jetzt weiss ich es besser! Wir schaffen nicht alles allein.

Von außen sieht man nicht alles…

Hast du jemanden schon einmal vorschnell verurteilt? Bestimmt. Jeder von uns hat das bestimmt schon des Öfteren getan. Wir sehen einen kleinen Teil des Bildes und denken uns: Warum macht der das so? Warum ändert er nichts? Ich könnte das viel besser. Sein Leben ist doch so perfekt…..

Wie gesagt, wir sehen nur einen kleinen Ausschnitt des Ganzen. Nehmen wir Cinderella als Beispiel. Von außen denken die meisten Menschen, dass sie schwach ist und einfach alles mit sich machen lässt. Sie ändert nichts an ihrem Schicksal. Doch wenn man genauer hinschaut, kann man erkennen, dass sie stark ist. Sie ist sogar sehr stark! Sie kämpft jeden Tag ums Überleben! Sie hat es geschafft sich anzupassen, damit sie überlebt!

Überleben ist manchmal das Einzige, das wir tun können. Das Wichtigste in unserem Leben.

Adobe Spark(11)

Die „gute Fee“.

Wir alle haben eine gute Fee. Sie kann verschiedenste Formen annehmen: ein Freund, ein Familienmitglied, ein Arzt, ein Therapeut… und manchmal sind wir es sogar selbst.

Wenn sie kommt, solltest du sie nicht ablehnen! Nimm ihre Hilfe an. Sie kann aus einer Maus ein wunderschönes Pferd machen. Oft kommt sie in Situationen, in denen du es am wenigsten erwartest. Wenn du glaubst, dass alle Hoffnung verloren ist und du nicht mehr weiter machen kannst, dringt ein kleiner Lichtstrahl durch die Wolken.

Doch müssen wir nicht warten, bis alle Hoffnung verloren ist, damit unsere Fee auftaucht. Du hast es in der Hand. Du kannst sie rufen. Geh sie suchen und sie wird zu dir kommen! Manchmal kommt zuerst die böse Fee, die uns davon abhalten will unser Glück zu finden. Gib nicht auf. Lass dich nicht täuschen von der alten Frau, die dir einen roten Apfel schenken möchte (Das war jetzt Schneewittchen…).

Eine Fee, die meine grauen Mäuse in schöne weiße Pferde verwandelt hat, war meine Therapeutin. Vor ein paar Jahren hat mein Arzt mir liebevoll einen Überweisungsschein für einen Psychologen untergejubelt. Erst wollte ich es nicht. Es fiel mir noch schwer zuzugeben, dass ich Depressionen habe und psychologische Hilfe brauche. Kurz darauf bin ich zusammengebrochen, als ich gerade zur Arbeit gehen wollte. Das war mein Zeichen. Ich habe mich gefühlt wie Cinderella, die am Grab weint und keine Hoffnung mehr hat. Dann kam ein kleiner Lichtstrahl und ich habe Hoffnung geschöpft.

Am nächsten Tag machte ich mich auf die Suche nach einem Therapeuten. Diesen fand ich auch, doch es war mehr eine böse Fee, die mich täuschen wollte. Es war ein Desaster und machte alles nur noch schlimmer! Zum Glück hat mein Arzt mir gesagt, dass ich solange suchen sollte, bis ich einen Therapeuten finde, der zu mir passt. Also suchte ich weiter und fand meine gute Fee. Sie hat mir die Augen in vielerlei Hinsicht geöffnet. Sie zeigte mir Wege und Hilfsmittel. Ich bin so dankbar, dass ich ihre Hilfe angenommen habe und mich für sie geöffnet habe.

Und jetzt?

Keine Ahnung, ob ich nur annähernd das rüberbringen konnte, was ich vorhatte. Es ist mir wichtig, dass die Menschen verstehen, dass es nicht schlimm ist, gerettet zu werden. Dass es nicht schlimm ist, Hilfe anzunehmen. Dass wir manchmal gar nicht erkennen, dass wir schon tagtäglich im Begriff sind uns zu retten.

Sich oder andere zu retten bedeutet nicht immer mit Gewalt andere zu unterdrücken. Manchmal bedeutet es zu vergeben, abzuschließen oder sogar wegzulaufen. Manchmal bedeutet es aufzustehen und zu schreien. Manchmal bedeutet es sich selbst Hilfe zu suchen. Manchmal bedeutet es zuerst an sich zu denken und manchmal zuerst an andere…

Adobe Spark(13)

 

Vor kurzen brauchte ich jemanden, der mich rettet. Jetzt brauche ich jemanden, der mich an die Hand nimmt und ab und zu etwas zieht und mir sagt, wo ich hin soll. Ich bin mir sicher, dass ich bald wieder stark genug bin, um mich allein zu retten.

Ich wünsche dir, dass du den Feenstaub auf deinem Weg nicht übersiehst. Trau dich Hilfe anzunehmen. Es ist auch mal ok sich retten zu lassen. Bitte denke immer daran, du musst nicht allein durch dieses Leben gehen.

 


So, nach diesem langen Post gönne ich mir jetzt eine Pause. Wenn du gern informiert werden möchtest, wenn ein neuer Post draußen ist, dann klick auf den Folgen-Button (Er wird sich riesig freuen!). Du kannst mir auch gern Feedback geben, egal welcher Art oder Fragen schreiben. Ich bin offen und freue mich immer, wenn eine neue Nachricht in meinem Postfach erscheint!

 

Ein Kommentar zu „Dienstags-Depression: Ich will nicht gerettet werden!

  1. della das hast du echt prima geschrieben . man kan sich da gut reinfühlen vor allem weil das wie eine dineygeschichte sich anhört. der gute ausgang wird noch kommen 🙂

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s