Veröffentlicht in Allgemein, Dienstags-Depression

Dinge, die du niemals zu einer Person mit Depressionen sagen solltest [Teil 1]

Auf die Idee für diesen Post bin ich durch ein…. naja, eigentlich hunderte Gespräche gekommen. Meist war ich danach niedergeschlagen, habe mich missverstanden gefühlt und habe mich oft auch geschämt. Als mein Mann sich diesen Post angeschaut hat, meinte er, ich sollte es doch lieber in zwei Teile machen, da er sonst viel zu lang wird. Also hier Teil 1.

Immer wieder versuchen Familie, Freunde oder Fremde gutgemeinte Ratschläge zu geben, etwas schlaues zu sagen, die Situation zu schlichten oder wollen einfach nur was dazu beitragen, ohne vorher richtig nachgedacht zu haben. Oft reden die Menschen einfach drauf los ohne eine Ahnung von dieser Krankheit zu haben und verletzen dabei den anderen mehr, als sie denken.

Depression ist ein schwieriges Thema, da es so vielfältig ist. Es gibt etliche verschiedene „Gründe“ und mindestens genauso viele „Heilmittel“.

Die Dinge, die ich hier aufzähle müssen nicht auf alle zutreffen. Dem einen oder anderen stört es vielleicht gar nicht, wenn sie das hier zuhören bekommen, doch sollte man trotzdem mit diesen Worten vorsichtig sein.

1. Andere haben’s viel schlimmer als du!

Wirklich? Das es anderen schlecht oder sogar schlechter geht, heisst nicht, dass es mir nicht auch schlecht gehen kann.

2. Du hast doch gar keinen Grund depressiv zu sein./ Du hattest doch eine tolle Kindheit.

Hier könnte ich jedes mal die Wand hoch laufen! Gar keinen Grund? Depressionen können von traumatischen Ereignissen herrühren, jedoch meistens haben sie andere Gründe und es ist oft sehr schwer auf genau EINE Sache zu zeigen und zu sagen “ ja, deswegen habe ich Depressionen!“

Außerdem sehen andere mein Leben nur von außen. Niemand, nicht einmal meine Eltern, können genau wissen, wie ICH meine Kindheit empfunden habe oder ob ich einen „Grund“  habe oder nicht.

3. Das ist doch nur Einbildung./ Das ist alles nur in deinem Kopf.

Mit der Kraft der Gedanken können wir viel bewirken, doch wenn es so einfach wäre, dann würde die Welt schon ganz anders aussehen.

Wie ich schon in meinen vorherigen Posts und hier gesagt habe: Es gibt so viele Gründe! Oft sind Depressionen auch Begleiterscheinungen von anderen Krankheiten. Hack einem anderen den Arm ab und sage ihm, dass er sich nicht so haben soll „die Schmerzen sind nur in seinem Kopf“. Macht Sinn oder?

4. Du versuchst es ja gar nicht richtig/ du strengst dich nicht genug an.

… Glaub mir, ich versuche alles Menschenmögliche, doch leider geht es nicht mit einem Fingerschnipsen.

5. Du musst wohl erst richtig tief fallen.

Hier muss ich gestehen, dass ich damals auch so dachte. Ich dachte, dass Menschen mit Depressionen erst richtig tief fallen müssen, „damit sie sich mal selbst aufrappeln“. Doch dem ist nicht so! Man ist hilflos und wie gelähmt. In meinen dunkelsten Zeiten, hätte ich alles getan um dort wieder rauszukommen, jedoch war ich wie gelähmt! Es ging einfach nicht! Ich konnte nicht! Und das ist normal. Viele erleben das Gleiche. Und glaub mir, wir würden sofort losrennen, wenn dort nicht diese unsichtbaren Ketten wären, die uns bis auf die Knochen lähmen.

6. Du bist so anstrengend!

Danke! Das Leben mit Depression ist extrem anstrengend. Die kleinsten Kleinigkeiten scheinen schon unmöglich (wie Zähneputzen oder überhaupt erst einmal aus dem Bett zu kommen). Die Nerven liegen total blank und man schleppt sich nur durch den Tag. Ich möchte dir nicht zur Last fallen! Keiner will das! Oft habe ich mir Vorwürfe gemacht, dass ich ja so anstrengend bin und allen nur zur Last falle, das war natürlich kontraproduktiv und wenn jetzt noch jemand kommt, der mich in dieser Sache auch noch „bestätigt“, dann ist das wie eine Rute zu Weihnachten, obwohl man das ganze Jahr versucht hat sein Bestes zu geben.

Würdest du einem Menschen mit gebrochenem Bein sagen, dass er so anstrengend ist, weil er nicht alles machen kann wie ein „normaler gesunder“ Mensch oder weil er leichter reizbar ist durch seine Schmerzen?

7. Du musst nur positiv denken!

Das ist wie mit der „alles nur in deinem Kopf“ Sache.

8. Lenk dich ab. Mach was.

Depression wirken sich auf alle Bereiche des Lebens aus. Das bedeutet auch, dass man sich nicht so einfach ablenken kann. Man kann die Depression nicht einfach wegschieben und vergraben!

Es gab bei mir Situationen, in denen ich z.B. ein Film geschaut habe und wie aus heiterem Himmel angefangen habe zu weinen; oder wir waren mit Freunden unterwegs, es war eine tolle lustige Runde und plötzlich kommt alles wie ein Schlag ins Gesicht – ohne Grund und ohne Vorwarnung.

9. Das ist deine Schuld!

Vielleicht hat der ein oder andere ein paar Fehler gemacht, die dazu beigetragen haben, dass man jetzt in dieser Situation ist. Aber das hilft jetzt auch keinem weiter!

Eigentlich ist das etwas sehr grauenvolles zu jemanden zu sagen! Das ist wieder dieses typische „Opfer die Schuld geben“-Gedankenmuster, welches wir alle haben. Aus irgendeinem Grund ist immer das Opfer Schuld.

Wir kennen es von anderen Situationen: Jemand wurde auf der Straße ausgeraubt. Was machen wir? Wir geben ihm die Schuld. Er hätte nicht DIESE Straße lang gehen sollen. Er hätte nicht anhalten sollen. Er hätte dies und das und jenes …..

10. Das Leben ist doch aber so schön/ dir geht es doch gut.

  1. Depressionen kommen nicht nur zu Menschen, die ein schweres Leben haben.
  2. Wir können nie wissen, wie das Leben des anderen wirklich aussieht.

 

Ich weiss, dass es sehr schwierig ist, sich in den Anderen hineinzuversetzen. Besonders wenn man selbst nie Depression hatte.

Mich hat einmal eine Frau angesprochen und um Hilfe gebeten. Sie wollte diese Krankheit gern besser verstehen. Sie wollte ihrer Freundin helfen und auch wissen, wie sie mit ihr am besten umgehen kann. Dieses Gespräch hat mich so glücklich gemacht. Ich wünschte, ich hätte mehr Leute getroffen, die ihr ehrliches Interesse und ihre Liebe zum Ausdruck bringen ohne zu verurteilen.

Frag einfach nach! Rede mit der Person und frage, was sie verletzt, was sie aufbaut. Interessiere dich für sie, ohne ihr das Gefühl zu geben, dass du sie verurteilst. Sei offen für ihre Sichtweisen. Bring deine Liebe zum Ausdruck und deinen Wunsch die Krankheit und die Person besser verstehen zu wollen. Das ist so viel wert! Viel mehr als jeder Artikel und jedes Buch!

 


Wenn euch dieser Artikel gefällt, dann zeigt es mir indem ihr auf den „Gefällt mir – Button“ klickt. Wie immer freue ich mich über Feedback! Geht auf den „Folgen-Button“, wenn ihr immer über neue Artikel informiert sein möchtet. Ich freue mich über jeden Leser!

Ein Kommentar zu „Dinge, die du niemals zu einer Person mit Depressionen sagen solltest [Teil 1]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s