Veröffentlicht in Dienstags-Depression, persönlichkeitsentwicklung

Dienstags-Depression: Was dich nicht umbringt, macht dich stärker…oder vielleicht weiser?

Vor ein paar Wochen hat mich ein alter Bekannter angeschrieben, wir unterhielten uns über Persönlichkeitsentwicklung, als er mich fragte: „Wenn du eine Sache sagen solltest, welche dich besonders im Leben weiter gebracht hat, welche wäre das?“ Komischer weise kam mir gleich in den Sinn: meine Depression!

Warum grade die Depression? Ist diese Krankheit nicht eigentlich mehr ein Hindernis?

Nicht immer hätte ich sagen können, dass mich die Depression um so vieles weiter gebracht hat im Leben. Oft war sie mehr wie der fiese Typ in der Schule, der mir haufenweise Steine in den Weg legt. Durch sie habe ich nie das „normale“ Leben geführt. Ich habe es vielleicht nie soweit gebracht wie andere, wenn man es am Standard der Gesellschaft misst, doch dadurch habe ich mich in Bereichen weiterentwickelt, die sonst meist auf der Strecke bleiben.

gelehrt

Ich war gezwungen mich weiterzuentwickeln.

Um besser verstehen zu können, wie ich am besten mit dieser Krankheit umgehen kann, musste ich mehr über sie und über mich herausfinden. Ich musste mich WIRKLICH kennen lernen. Ich musste nicht nur mehr über meine Stärken herausfinden, sonders mich auch meinen Schwächen stellen!

Doch das Wissen allein reicht nicht! Damit sich etwas ändert, musste ich mich ändern und an mir arbeiten. Das war nicht immer leicht, denn so etwas lernt man nicht in der Schule. Dieses Wissen und die Techniken musste ich mir selbst erarbeiten durch Bücher, Erfahrung und Therapie. Manchmal habe ich mich wie ein Schatzsucher gefühlt, der besondere Aufgaben zu meistern hat, um endlich ein Stück weiter zu kommen, dem Schatz entgegen (meiner Gesundheit).

Ich wurde in die tiefsten Abgründe gedemütigt.

Es ist nicht leicht, wenn man mit seinen Schwächen konfrontiert wird. Doch es ist noch viel schwerer, wenn man nicht mal mehr seine Stärken ausüben kann. Es ist unheimlich demütigend, wenn man sich im Spiegel anschaut und sieht, dass man sich verloren hat, dass man nicht mehr man selbst ist und einfach nur noch ein Körper ist, der nicht mal mehr richtig lebt und ganz ohne Hoffnung ist.

Die meisten Menschen verstehen einen nicht. Viele sind sogar abwertend. Die meiste Zeit habe ich mich sehr allein gefühlt, unzulänglich und schwach. Ich habe mich gefühlt, als ob ich immer wieder im Kreis laufe. Jedes Mal, wenn ich dachte, es geht aufwärts, kam wieder ein Schlag ins Gesicht. Es hat einfach nichts mehr funktioniert.

Was ist nun daran gut?

Ich kann viele besser verstehen,

gehe mit mir und den Mitmenschen anders um und habe mehr Verständnis.

Diese Erfahrungen haben mir gezeigt wie schwer das Leben auch mal sein kann. Sie haben mir gezeigt, dass der Schein oft trügt und wir hinter das Lächeln schauen müssen. Sie haben mir gezeigt, dass ich nicht alles weiß und nie alles wissen kann. Meine „Erwartungen“ an andere haben sich verändert.

Wie oft verurteilen wir Menschen, obwohl wir ihr Innerstes und ihre Lebensumstände gar nicht kennen? Nur weil jemand etwas „schlechtes“ oder für uns unverständliches macht, heißt es nicht, dass derjenige ein schlechter Mensch ist oder böse Absichten hat. Oder wir urteilen, wessen Leid schwerwiegender ist und wer „jammern“ darf und wer nicht.

Ich muss immer an mir arbeiten, um nicht von den Depressionen aufgefressen zu werden.

Das ist oft nervig, denn für mich gibt es keine „Cheat Days“. Selbst die kleinsten Dinge können mich aus dem Gleichgewicht bringen und wieder zurückschmeißen. Das bedeutet natürlich auch, dass ich nicht alles so genießen kann wie andere.
Doch ich habe das Positive daran gefunden. Dadurch, dass ich so sensibel allem gegenüber stehe, merke ich schnell, wenn mir etwas nicht gut tut, körperlich und geistig. Ich bin gezwungen das Beste aus mir zu machen, damit ich vom „schwarzen Hund“ nicht übermannt werde.

Stehenbleiben

Ich sehe das Leben anders.

Für mich geht es nicht mehr darum, den besten Abschluss im Studium zu machen und dann viel Geld zu verdienen, ein Haus zu haben mit tollem Auto und eins zwei mal im Jahr in den Urlaub zu fahren. Es geht nicht mehr darum, mich anderen zu beweisen und dem vorgegebenen „perfekten Leben“ zu folgen.

Das Leben ist eine Reise, die wir genießen sollten! Es gibt so vieles zu entdecken. Wenn wir immer nur auf den schon vorgetrampelten Wegen laufen, werden wir nie die schönen Blumen auf der Wiese entdecken oder die Schätze, tief versteckt im Urwald.

Ich gehe andere Wege und kreiere mich selbst. Das wahre Glück spüren wir nur, wenn wir auf unser Herz hören und nicht wenn wir auf das hören, was uns andere vorschreiben.

Ich bin dankbar für jeden glücklichen Moment.

Wenn man viele schlechte Tage, Wochen oder sogar Monate hat und es scheint, als ob die Dunkelheit einen verschlingen würde, ist man dankbar für jeden kleinen Lichtblick!

Die kleinen glücklichen Momente, waren (und sind es immer noch) das Schönste für mich. Der Hoffnungsschimmer, den ich brauchte, um weiterzumachen. Ich genieße sie viel inniger als zuvor und bin viel dankbarer selbst für die kleinsten Dinge.

Es ist so leicht vom Leben mitgerissen zu werden und nur noch zu sehen, was schief läuft. Wir werden darauf ja auch schließlich getrimmt…In der Schule markiert man die Fehler, in den Nachrichten zeigen sie nur das Negative und im Alltag wird man kaum auf etwas hingewiesen, was gut gelaufen ist. Doch wenn wir uns mal umschauen, dann gibt es so viele Kleinigkeiten für die wir dankbar sein können… Die Blume am Wegesrand, der Mann auf dem Fahrrad, der pfeifend an uns vorbei fährt, oder den Bus, den wir zum Glück noch geschafft haben….

glück erkennen

Es ist nicht leicht, Schwierigkeiten in Stärken oder eine Lebensweisheit umzuwandeln. Eines Tages wird es jedoch den Moment geben, in dem man zu zurück schaut und sagen kann: „Ja, ich habe es geschafft und ich habe daraus gelernt!“

 


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8 Kommentare zu „Dienstags-Depression: Was dich nicht umbringt, macht dich stärker…oder vielleicht weiser?

  1. Oh, was für ein toller Text!! Du hast in allem Recht! Genau so geht es mir auch! Die Depression zwingt einen dazu, achtsam mit sich zu sein. Und vielleicht sollten wir ihr daher auch etwas positives abgewinnen! Vielleicht ist die das Geschenk an uns ohne das wir nicht gelernt hätten unser Leben mit anderen Augen zu sehen 😊

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  2. Wow. Ein sehr starker Beitrag! Ich muss sagen, dass ich mich in diesem Artikel wiedererkenne wie in keinem anderen, den ich bis jetzt gelesen habe. Ich bin einen sehr ähnlichen Weg gegangen. 6 Jahre Angststörung haben mich letztendlich auf den Weg der Besserung „gezwungen“. Durch meine Krankheit bin ich auch auf einige Themen aufmerksam geworden, die ich vorher definitiv nicht unter meine Interessen gezählt hätte. Persönlichkeitsentwicklung, Selbstreflexion, Meditation, Ernährung, Sport. Das sind alles Themen, mit denen ich mich vorher nie ausgiebig beschäftigt habe. Mittlerweile bin ich ca 2 Jahre frei von meiner krankhaften Angst und führe ein Leben, das ich mir selbst vor meiner Krankheit nicht ausmalen hätte können. Ich bin ausgeglichener, neige viel seltener zu negativen Reaktionen und bin definitiv auch empathischer geworden. Aus deinem Artikel geht ja sehr gut hervor, wie wichtig es ist, die Krise als Chance zu nutzen. Anstatt zu jammern, was im Endeffekt ja nichts an der Situation ändert und sie meistens noch schlimmer macht, sollte man sich die positiven „Nuggets“ raussuchen und für sein eigenes Wachstum verwenden. Denn eine Krise ist immer ein Indiz dafür, dass irgendetwas nicht so läuft, wie es laufen sollte bzw. wie man es sich vorgestellt hat. Wenn man diese Indizien erkennt und mit ihnen arbeitet, passieren wunderbare Dinge! Vielen Dank für diesen Artikel :* Wird gleich mal geteilt 🙂

    LG Andre

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  3. Wunderbar liebe della das du uns hier einen Einblick in dein inneres gegeben hast und Hoffnung gibst das sich alles zum Guten wenden kann wenn man erkennt das jedes Problem für uns eine Möglichkeit des Wachstums bietet .

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  4. Liebe Della,
    eigentlich bin ich kein Fan von Blogs etc. aber durch Zufall bin ich auf deinen gestossen und kann nur sagen: Danke für deine Worte! Es tut so gut das zu lesen und festzustellen, dass man nicht „unnormal“ ist und dass es auch anderen so oder so ähnlich geht. Es tut gut verstanden zu werden und so offene, ehrliche und hoffnungsvolle Worte dazu zu finden. Das ist mal eine Art „Gegengefühl“ gegen das ständige Gefühl des Versagens oder es einfach nicht zu schaffen, sich endgültig da herauszukämpfen und mehr leisten zu können. Vielen Dank dafür.
    Es macht mir Mut, zu lesen, dass andere einen Weg gefunden haben, glücklich mit einer Depression zu leben. Dass es auch bei anderen Betroffenen gute Tage und weniger gute Tage gibt und das man das einfach mit einkalkulieren kann. Dass es nichts über den eigenen Wert aussagen muss und man es einfach akzeptieren und damit gut leben kann. … nach und nach … ich glaube ich muss noch das Gefühl für mich selbst richtig finden. So weit von ich noch nicht. Ich merke es oft erst hinterher.
    Ich wünsche dir alles Gute. Vielen Dank nochmal.
    LG Maria

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    1. Liebe Maria, vielen Dank für die tollen Worte! Auch mir tut es gut zu wissen, dass ich nicht allein bin und dass ich mit meinem Blog anderen auf irgendeine Art und Weise helfen kann bzw. sie inspirieren kann 🙂
      Du bist ein überaus starker Mensch. Vergiss das nie, denn ein Leben mit „unserer“ Krankheit ist ganz und gar nicht leicht!

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